Zeittafel

1921-1934

Falcon

Röhr

1921

Am 3. Dezember 1921 wurde die Falcon Automobilwerke AG in Frankfurt am Main
mit einem Kapital von 12 Mill. Mark gegrĂĽndet. Seit 1920 baute diese Firma in
Durlach (Durlacher Fahrzeugwerke GmbH) und dann in Sontheim bei Heilbronn
unter der Bezeichnung Falcon GmbH Automobile. Mit Hilfe der Thellus AG, der
Firma Gebr. Röchling (Zweigniederlassung Frankfurt/Main) und dem Bankhaus
Leo Jacobi & Co (Frankfurt/Main) beabsichtigt das Unternehmen die Munitions-
fabrik Max Walbinger in Ober-Ramstadt zu ĂĽbernehmen.

1922

Ab 18. März 1922 wurde in Ober- Ramstadt offiziell eine Zweigniederlassung eingerichtet. Der Betrieb umfasste drei Abteilungen:
1. Produktion der Schreibmaschine „Senator“ (von Walbinger ĂĽbernommen).
2. Metallbearbeitung, speziell Massenartikel in Dreh- und Stanzteilen.
3. Produktion des Kleinkraftwagens „Falcon CA 6“.
DenVorstand des Unternehmens bildeten Carl Au und Gottlieb Hartlieb.

1923

Beteiligung an verschiedenen Rennsportveranstaltungen.

1924

Vorstellung des neuen Modells „Falcon Typ T VI“. Entwicklung des zunächst ge-
planten Sechszylindermodells CA 8 eingestellt. Der Falcon Mitarbeiter Hermann
Mendel führten das Projekt in der Küchenmöbelfabrik Schröbel unter der Bezeich-
nung „Hessen“ weiter und stellten Anfang 1924 zumindest einen Versuchswagen
fertig, der ab April erprobt wurde. Das Projekt wurde dann aber aus finanziellen
GrĂĽnden eingestellt.

1925

Artikel „Technische Berichte ĂĽber die Automobil-Ausstellung 1924“ im Heft 13/1925
der Fachzeitschrift „Der Motorwagen“, mit ausfĂĽhrlicher technischer Beschreibung
des Falcon Typ T VI.

1926

Gründung der Röhr Auto AG durch Übernahme der Falcon Automobilwerke AG und deren Werksanlagen in Ober-Ramstadt. Höhe des Aktienkapitals 500.000 RM.
Den Vorstand bildeten Hans Gustav Röhr und Helmut von Oven. Der Aufsichtsrat
setzte sich zunächst aus Professor Otto Berndt (Darmstadt), Bankier Otto Hirsch (Frankfurt) und Rechtsanwalt Adolf Salomon zusammen.

1927

Anlässlich der Generalversammlung am 5. Oktober 1927 wurde das Aktienkapital
auf 1 Million RM angehoben. Vorstand Hans Gustav Röhr und Helmut von Oven, Aufsichtsrat Vorsitzender Dr. Adolf Salomon (Frankfurt), Stellvertreter Professor
Otto Berndt (Darmstadt), Bankier Otto Hirsch (Frankfurt) Bankdirektor Hans Wiechert (Frankfurt) und Dr. Ing. e.h. Hugo Greffenius (Frankfurt). Die Produktion der ersten
Röhr 8 in Ober- Ramstadt beginnt etwa Mitte 1927. Konstruktionsmerkmale sind
der patentierte Tiefbettkastenrahmen aus Stahlblech, Zahnstangenlenkung, Einzel-
radaufhängung und ein 2 Liter Achtzylindermotor mit 40 PS Leistung. Zum Produk-
tionsanlauf würden Fachleute von anderen Autoherstellern abgeworben (Hansa, Hanomag, Adler) Ein bedeutender Teil der Mitarbeiter kam aus dem schwäbischen Raum von Firmen wie Steiger in Burgrieden und NSU in Neckarsulm.

1928

Am 8.Mai 1928 beschloss die Generalversammlung die Erhöhung des Aktien-
kapitals auf 2 Millionen RM. Helmut von Oven schied aus dem Vorstand aus.
Prokuristen wurden Betriebsdirektor Ewald Popp und Betriebsleiter Ernst Decker.
Der Röhr 8 Typ R (2,3 Liter Achtzylinder 50 PS) wurde zum ersten Mal auf der Automobilausstellung in Berlin (8. bis 11. November) der Öffentlichkeit gezeigt.
Der Slogan der Röhr Werke war „Der sicherste Wagen der Welt“. Die Resonanz
bei Fachpresse und Publikum auf die neuartige Konstruktion de Röhr Wagens
war beachtlich. Die Odenwälder Nachrichten meldeten die Vorbestellung von
2200 Röhr-Wagen. Am 21. Dezember 1928 wurde bei einer weiteren General-
versammlung die Erhöhung des Aktienkapitals auf nunmehr 3,5 Millionen RM beschlossen.

1929

Die Produktion des Röhr 8 Typ R in Ober-Ramstadt wurden auf eine Kapazität von
ca. 8 bis 10 Fahrzeuge erweitert und Belegschaft erreichte einen Spitzenstand von
etwa 800 Mitarbeitern. Zahlreiche Erfolge bei Schönheitskonkurrenzen, Automobil-
turnieren und auf Zuverlässigkeitsfahrten. Die Beteiligung von Röhr auf Automobil-
ausstellungen in Paris, Genf Amsterdam usw. machen die Marke auch internatio-
nal zu einem Begriff.

1930

Weiterhin erfolgreiche Teilnahmen von Röhr-Wagen an Automobilturnieren wie
Baden-Baden, Wiesbaden und Bad Kreuznach oder auch bei Sportfahrten (z. B.
die Sternfahrt nach Monte Carlo im Januar 1930). Stände auf verschiedenen Autoausstellungen. Konstruktion des Röhr 8 Typ RA als Nachfolger für den Typ R.
Erste Versuchsfahrzeuge wurden im Spätsommer/Herbst fertiggestellt. Erste
finanzielle Schwierigkeiten. Der Hauptaktionär Hugo Greffenius konnte in Folge
der Weltwirtschaftskrise der Röhr Auto AG bereits zugesicherte Finanzmittel nicht
mehr zur VerfĂĽgung stellen. Die Stadt Ober-Ramstadt ĂĽbernahm eine RĂĽckbĂĽrg-
schaft fĂĽr die angeschlagene Röhr Auto AG. Im Dezember 1930 berichten die „Odenwälder Nachrichten“ und das Fachblatt „Motor Kritik“ ĂĽber die aussichtslose Situation bei Röhr. Die Produktion wird eingestellt, bis zu diesem Zeitpunkt hatte
die Röhr Auto AG etwa 1200 Röhr 8 und Röhr 8 Typ R gebaut. Hans Gustav Röhr
verlässt mit seinem unter Leitung von Joseph Dauben stehenden Stab Ober-
Ramstadt.

1931

Das angestrebte Vergleichsverfahren scheitert. Ab Januar 1931 läuft ein Konkurs.
Am 18. Februar gründet Hans Gustav Röhr zusammen mit dem Betriebsratsvor-
sitzenden Fritz Wernath die Röhr Auto GmbH. Das Ziel ist „bei der Berliner Auto-
mobilausstellung mit Einverständnis der Konkursmasse Wagen zeigen zu können
und den Verkauf der Masse zu ermöglichen“. Auf der Automobilausstellung in
Berlin (19. Februar bis 1. März 1931) wurden dann zum ersten Mal vier Röhr 8
Typ RA öffentlich präsentiert. Hans Gustav Röhr und sein Entwicklungsteam
arbeiten ab 9. Mai 1931 offiziell fĂĽr die Adlerwerke in Frankfurt. Im April 1931
stimmt die Gläubigerversammlung dem Angebot einer unter der Leitung des
Schweizer Röhr-Generalvertreters Joos Andreas Heintz zu, die das Werk über-
nehmen möchte. Aus diesem Grund wird Mitte Mai 1931 in Davos die „Schweize-
rische Holdinggesellschaft fĂĽr Automobilwerke AG“ mit einem Aktienkapital von
850000 Schweizer Franken gegründet. Die Produktion war bei Röhr bereits im
April 1931 auf Grund eines mit Joos Andreas Heintz geschlossenen Pachtvertra-
ges wieder angelaufen. Die „Schweizerische Holdinggesellschaft für Automobil-
werke AG“ erwarb bei der Zwangsversteigerung am 26. Juni 1931 die Röhr
Auto AG. Am 27. Juni wurde die Neue Röhr Werke AG mit einem Aktienkapital von
1 Million RM gegrĂĽndet. Den Aufsichtsrat bildeten der Kaufmann Leo Betzen
(Davos), der Notar Dr. S. Stern (Frankfurt a. Main), der Kaufmann Siegmund Weiler-
Heintzheimer (ZĂĽrich), Dr. Hans Zoller (ZĂĽrich) und Dr. Jean Luis Burckhard
(Davos). Zum Vorstand wurden Joos Andreas Heintz und Ernst Decker bestimmt.

1932

Ab Sommer 1932 wurde mit dem Röhr 8 Typ F ein neues Modell Produziert. Der
3,3 Liter Achtzylindermotor ist eine Entwicklung des KonstruktionsbĂĽros Porsche
in Stuttgart. Vorstellung des Röhr 8 Typ F auf verschiedenen Autoausstellungen
unter Anderem auf dem Pariser Automobilsalon. Am 16. März wurde der Eintrag
der Atmos-Vergaser AG, Sitz Ober-Ramstadt öffentlich gemacht (Gründung
27. Juni 1931 – Ă„nderung des Gesellschaftsvertrages 24 Oktober). Grundkapital
250.000 RM. Vorstand Joos Andreas Heintz und Ernst Decker. Der Atmos Ver-
gaser wurde bis 1934 in den Räumen der Neuen Röhr Werke produziert und hauptsächlich in den Röhr 8 Typ Ra und später in den Röhr Junior eingebaut.

1933

Bei der Automobilausstellung vom 11.-23. Februar 1933 in Berlin zeigte die Neuen
Röhr Werke AG zum ersten Mal das neue kleinere Vierzylinder-Modell Röhr Junior,
eine Lizenz des tschechischen Tatra Typ 75. Die Auslieferung der ersten Wagen begann Ende Juni 1933. Röhr Junior, bzw. Röhr 8 Typ F bewähren sich bei Sport-
veranstaltungen, wie z. B. die 2000 km Deutschlandfahrt oder der Alpenfahrt. Die Produktion des Röhr 8 Typ RA lief im Sommer 1932 aus. Nach der ersten ordent-
lichen Generalversammlung der Neue Röhr Werke AG am 6. April 1933 setzte
sich der Aufsichtsrat nun  wie folgt zusammen: Vorsitzender der Kaufmann
Leo Betzen (Davos), Dr. Jean Luis Burckhard (Davos) und Arthur von Mumm
(Frankfurt a. Main). Die Neuen Röhr Werke beschäftigen wieder etwa 500 Mitar-
beiter.

1934

Bei der Internationalen Automobil und Motorrad-Ausstellung in Berlin
(8.-18. März 1934 wurde der Röhr 8 Typ FK „Olympier“ vorgestellt. Chassis und
Motor des Wagens waren ein Entwurf des KonstruktionsbĂĽros Porsche in Stuttgart.
Es werden nun drei Modelle angeboten: Röhr Junior, Röhr 8 Typ F und Röhr 8
Typ FK. Etwa 30 % der Produktion von Röhr geht in die Schweiz. Die Röhr Werke
beteiligten sich mit Teams erfolgreich bei verschiedenen Sportveranstaltungen (Winterfahrt Garmisch, Drei Tage Harzfahrt, 2000 km Deutschlandfahrt,
Internationale Alpenfahrt).

 


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